Mit Holztickets zum Wasser in Rokon und Magbele.
Frank Martens und Gerald Büchner berichten aus Sierra Leone
Ja, was ist aus diesem Projekt des ZAK-Wasser der IG BCE "Ein Brunnen für Afrika" geworden. Ausgestattet mit Moskitonetz, Taschenlampe, Tabletten jeglicher Form und Größe und einem gehörigen Kribbeln im Bauch haben wir uns auf diese Reise begeben. Wir, Frank Martens (GBR-Vorsitzender der EURAWASSER Rostock) und Gerald Büchner (BR-Vorsitzender der MIDEWA-GmbH Merseburg), haben am 25.2.2002 vormittags unsere Reise in Berlin angetreten, und sind nach einigen Komplikationen in London mit Stefan Hagelüken (Geschäftsführer der Hilfsorganisation TERRA TECH e.V. aus Marburg, die für uns dieses Projekt in Sierra Leone geplant und durchgeführt hat) zusammen getroffen, um nach Westafrika weiterzureisen. Am 26.2.2002 trafen wir gegen 4.00 Uhr am "internationalen Flughafen" in Lungi bei Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, ein.
Was uns erwartete, als wir afrikanischen Boden betraten, ist mit normalen europäischen Vorstellungen nicht vergleichbar und sprengt jede Vorstellungskraft: Zollabfertigung in einer Lagerhalle, Besorgen von Holztickets für den Weiterflug mit einem alten russischen Helikopter, dessen Anblick unweigerlich zur Frage führt, ob die abgeschlossene Lebensversicherung hoch genug ist, und dann doch glückliche Landung und Empfang durch Hassan Basma (den Verantwortlichen in Sierra Leone für die Projekte von TERRA TECH). Bei Hassans Familie (Frau Fairuz, 3 Töchter sowie deren Freunde) dürfen wir als Art Familienmitglieder zu Gast sein und werden von ihnen überaus freundlich beschützt und betreut.
Was wir hier in den ersten Tagen erlebt und gesehen haben, kann man mit Worten nicht ausdrücken. Dazu muss man wissen, dass Sierra Leone bis Mitte 2001 einen fürchterlichen Bürgerkrieg erlebte mit unvorstellbaren Grausamkeiten (Kindersoldaten, Folterungen, Vergewaltigungen, Erschießungen, etc.). Derzeit befindet sich das Land in der Befriedung und im Wiederaufbau. Zur Zeit sind hier rund 17.000 UN-Blauhelme - das größte UN-Kontingent weltweit -, um diesen Prozess zu begleiten. Mehrere Hilfsorganisationen, darunter auch TERRA TECH sind hier tätig, und es ist nach unserer Auffassung auch dringend notwendig und jeder EURO wird wirklich benötigt.
Unsere Brunnen liegen in der Mitte des Landes im Distrikt Port Loko in den beiden Dörfern Magbele und Rokon, wo der Wiederaufbau die meiste Hilfe benötigt. Es herrscht dort soviel Armut vor, dass die Schüssel Reis, die man uns als den Ehrengästen anbot, schon ein Festessen darstellt. Gestern, am 28.2., sind wir mit Hassan, zwei seiner Mitarbeiter und Stefan ca. 100 km in abenteuerlicher Fahrt nach Rokon und Magbele gereist, um offiziell unsere Brunnen zu übergeben. Im Dorf Rokon bereitete man uns einen Empfang mit Tanz, Musik und festlichen Ansprachen. Alle Ältesten und anderen lokalen Autoritäten, Schulkinder und die komplette Dorfgemeinschaft nahm Anteil daran, und viele sahen wohl zum ersten Mal Weiße. Wir waren sehr ergriffen von soviel Dankbarkeit für ein paar Tropfen trinkbares Wasser - für uns das Normalste der Welt, hier wohl nur mit Gold aufzuwiegen. Die Lebenserwartung beträgt in diesem Land noch nicht einmal 40 Jahre. Epidemien, Seuchen und Krankheiten sind an der Tagesordnung. Wir müssen hier weiter machen, das haben wir begriffen, es ist dringend erforderlich. Bitte helft uns auch weiterhin dabei. Unser eigener sozialer Status bekommt hier einen anderen Stellenwert. Was maßen wir uns in unserer Wohlstandsgesellschaft eigentlich an?
Wir werden in den nächsten Tagen dieses Land noch weiter bereisen und uns Gesundheitsstationen und andere Bereiche des öffentlichen Lebens ansehen. Bis zum nächsten Bericht, Eure Berichterstatter Frank und Gerald.






