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Literaturtipp:

Erziehung zur Grausamkeit

Robert Misik

Wenn Grausamkeit zur politischen Haltung wird

Robert Misiks neues Buch „Erziehung zur Grausamkeit“ stellt eine beunruhigende Frage: Was geschieht mit Menschen, wenn sie Tag für Tag dazu angehalten werden, andere zu verachten? Der Untertitel, „Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus“, beschreibt seinen Ansatz. Misiks Interesse gilt weniger der Frage, warum jemand eine rechte Partei wählt, als vielmehr der, wie politische Agitation Gefühle und Verhalten auf Dauer verändern kann.

Seine These ist ebenso einfach wie verstörend: Grausamkeit entsteht nicht erst im Moment einer Gewalttat. Sie wird eingeübt, wenn Angst geschürt, Gegner zu Feinden erklärt und Spott über deren Leid zur gemeinsamen Unterhaltung wird. Misik greift dafür auf Freud, Adorno und Leo Löwenthal zurück. Er beschreibt ein Wechselspiel zwischen politischen Anführern, Medien und Anhängern, die sich gegenseitig in ihrer Erregung bestärken. Besonders verstörend ist sein Blick auf den Lustgewinn, den die Zugehörigkeit zu einer verachtenden Gemeinschaft bieten kann.

Misiks wichtiges Resumee: Demokratie ist auch davon abhängt, wie Menschen einander wahrnehmen. Wer Grausamkeit öffentlich belohnt, verändert die Grenzen dessen, was sagbar und schließlich auch machbar erscheint.

Misik spielt diese Gedanken an gegenwärtigen Beispielen durch. Er bleibt auch nicht bei einer allgemeinen Diagnose des Ressentiments stehen: Kapitel über die AfD und über die Verbindung von libertärer und autoritärer Politik weiten den Blick auf unterschiedliche Spielarten der Rechten. Die knappe, zugespitzte Form macht den Essay gut lesbar.

Erziehung zur Grausamkeit ist ein eindringlicher politischer Essay.


Erziehung zur Grausamkeit. Die Massenpsychologie des Neuen Faschismus.
von Robert Misik

Suhrkamp Verlag 2026
Broschur, 200 Seiten

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