Ethik und Unternehmensverantwortung: Deutschland-Kolumbien-Frankreich im Vergleich

Chamber of Commerce in Bogota lädt zu internationaler CSR-Konferenz

Globale Herausforderungen wie Klimawandel, Armutsbekämpfung oder Menschenrechtsschutz prägen in hohem Maße unser heutiges Leben. Faires und nachhaltiges Wirtschaften ist ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige globale Entwicklung. Verantwortungsbewusst handelnde und global tätige Unternehmen können wesentlich zur Lösung dieser Probleme beitragen.

Am 01. Oktober 2018 trafen sich etwa 150 kolumbianische Repräsentanten von Unternehmen, Verwaltungen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft in der Handelskammer Bogota, um sich über verschiedene Ansätze und Anforderungen im Bereich der Unternehmensverantwortung auszutauschen. Die Konferenz wurde von der Handelskammer Bogota gemeinsam mit der französischen und der deutschen Botschaft sowie mit dem kolumbianischen Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung (FESCOL) ausgerichtet.

Eingeleitet wurde die Konferenz durch kurze Statements von Jorge Mario Diaz, dem Vizepräsidenten der Handelskammer Bogota, von S.E. Gautier Mignot, dem französischen Botschafter, sowie von Klaus Botzet, dem Botschaftsrat der deutschen Botschaft in Kolumbien.

Beatrice Bellini, von der Universität Paris Nanterre, ging in ihrem Vortrag unter anderem auf das das Loi de Vigilance ein, das französische Gesetz, mit dem große Unternehmen verpflichtet werden, Maßnahmen zu ergreifen, um Menschenrechts- und Umweltrisiken zu identifizieren und diesen vorzubeugen. Darüber hinaus sprach sie über die Chancen für Unternehmen, wenn diese sich einer nachhaltigen Wirtschaftsweise verpflichten. Allerdings – so ihr Resümee – sind Kunden häufig (noch) nicht bereit, einen höheren Preis für nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen zu zahlen, was das Engagement der Unternehmen dämpft.

Über das Verständnis von gesellschaftlicher Unternehmensverantwortung in Deutschland sowie die Anforderungen seitens der Bundesregierung sprach Carola Dittmann von der Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE in ihrem Vortrag. Dabei ging sie auch auf die seitens der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft immer wieder hervorgebrachte Kritik der mangelnden Verbindlichkeit der deutschen Regulierungen ein. Als gutes Beispiel einer Branchenlösung stellte sie abschließend Chemie³- die Nachhaltigkeitsinitiative der Chemiebranche vor, die gemeinsam vom Verband der chemischen Industrie, der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie getragen wird.

Im Zuge des Beitritts Kolumbiens als 37. Mitgliedsstaat in die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berichtete Catalina Barreiro, von der Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze über ihre Arbeit und Möglichkeiten der Einreichung von Beschwerden.

Über die Herausforderungen im Bereich CSR aus der Sicht der kolumbianischen Gewerkschaften sprach anschließend Edwin Palma, der Vizepräsident der Unión Sindical Obrera (USO/ Erdölgewerkschaft). Er begrüßte das zunehmende Bewusstsein einer stärkeren Unternehmensverantwortung und ging auf einige nationale Herausforderungen, wie bspw. die Korruptionsbekämpfung ein. Gleichzeitig bedauerte er, dass die Gewerkschaften in Kolumbien in den Umsetzungsprozess relativ wenig einbezogen sind und wünschte sich einen stärkeren sozialen Dialog – ähnlich dem deutschen Beispiel.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierte Daniel Rodriguez, von der international tätigen Anwaltssozietät CMS, mit Pablo J. Miranda (Siemens), Pablo Urrego (Renault) und Maristela Aldana Sanin (Bancolombia) zu den Chancen und Herausforderungen einer nachhaltigen Unternehmensführung. Es war Konsens in der Runde, dass eine konsequente Umsetzung von unternehmerischer Verantwortung ein anstrengender und zum Teil steiniger Prozess ist, der jedoch Risiken minimiert und das Vertrauen in das Unternehmen stärkt, sich somit in jedem Fall lohnt.