Was bedeutet künstliche Intelligenz für die Arbeit?

Was ist Künstliche Intelligenz  – und wie wird sie sich auf die Arbeit der Zukunft auswirken? Diese Fragen hatte die Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE formuliert und zur Beantwortung Forscher, Entwickler und Betriebsräte nach Berlin am 24. Januar 2019 eingeladen. „Die Künstliche Intelligenz (KI) als monolithisches System – die gibt es nicht“, stellte Aljoscha Burchardt, Experte für KI und Sprachtechnologie beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), gleich zu Beginn fest. Und fügte hinzu: „Nicht alles, was Digitalisierung ist, ist auch unbedingt KI.“ 

Viel zu oft würden Begriffe wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Autonome Systeme und Algorithmus so verwendet, als würden sie alle das gleiche Phänomen beschreiben – was beim Austausch etwa von Politikern, Arbeitgebern, Gewerkschaften und Experten zu Verwirrung führen würde. Selbst die Definition von Künstlicher Intelligenz sei nicht eindeutig. Diese sei deswegen so schwierig zu greifen, wie Norbert Malanowski vom VDI-Technologiezentrum ausführte, da „wir keine Definition von Intelligenz an sich“ hätten.

Michael Bretschneider-Hagemes vom Arbeitsschutzforum unterstrich die Gefahr, dass in den kommenden Jahren Normierungen im Bereich KI geschaffen würden, auf die Arbeitnehmervertreter wenig bis keinen Einfluss hätten, da sie schlicht nicht beteiligt würden. „Es gilt, Terrain zurückzugewinnen“, betonte er. Eine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, seien der Arbeitsschutz und die Mitbestimmung. Bei allen Sorgen, die mögliche Auswirkungen von KI heraufbeschwören, betonte Bretschneider-Hagemes aber auch: „Die Technik an sich ist nicht böse. Es geht um die Technik in der jeweiligen Anwendung.“

Stephan Schenk, der bei der BASF für den Supercomputer Quriosity mitverantwortlich ist, hob hervor, wie wichtig etwa das Bauchgefühl der Chemiker im Betrieb noch bleibt. Denn die „chemische Intuition“ könne der Supercomputer nicht ersetzen. Das sei aber auch nicht die Aufgabe der Anlage. Es ginge vielmehr darum, mehr computergestützte Simulationen durchzuführen und dabei den Chemikern mehr Zeit für vielversprechendere Experimente im Labor zu ermöglichen.

Alle Teilnehmenden waren sich darüber einig, dass Gewerkschaften sich möglichst schnell in der Debatte zur KI einschalten sollten, denn sonst würden Standards und Tatsachen geschaffen, die eventuell nicht mehr umkehrbar sein könnten. Besonders wichtig sei es, Technologie nicht wie bisher nur in der Rückschau zu bewerten, sondern vorausschauend sprachfähig werden und agieren, bzw. durch KI-Bildung, Monitoringsysteme und Mitarbeiterbeteiligung bei der Einführung von KI.